5. Juni 2026 · 6 Min. Lesezeit
IT-Sicherheit für Kanzleien: 5 Maßnahmen mit sofortiger Wirkung
Kanzleien verwalten hochsensible Mandantendaten und unterliegen der berufsrechtlichen Schweigepflicht — ein erfolgreicher Angriff ist hier nicht nur ein IT-Problem, sondern ein Haftungsfall. Die gute Nachricht: Die wirksamsten Schutzmaßnahmen sind keine Großprojekte. Diese fünf Punkte setze ich bei Kanzlei-Kunden zuerst um.
1. Zwei-Faktor-Authentifizierung überall aktivieren
Gestohlene Passwörter sind der häufigste Einstiegspunkt für Angreifer. Mit einem zweiten Faktor — App-Bestätigung oder Hardware-Schlüssel — wird ein gestohlenes Passwort weitgehend wertlos. Priorität haben E-Mail-Konten, Microsoft 365, Kanzleisoftware und das VPN. Der Aufwand liegt bei wenigen Stunden, der Sicherheitsgewinn ist enorm.
2. Updates konsequent und zeitnah einspielen
Die meisten erfolgreichen Angriffe nutzen Sicherheitslücken aus, für die es längst Updates gibt. Windows, Kanzleisoftware, Browser, Router und NAS-Systeme brauchen einen festen Update-Rhythmus — idealerweise automatisiert und überwacht, damit kein Gerät durchrutscht.
3. Backups nach der 3-2-1-Regel
Ransomware verschlüsselt heute gezielt auch erreichbare Backups. Deshalb: drei Kopien Ihrer Daten, auf zwei verschiedenen Medien, davon eine außer Haus und vom Netz getrennt. Genauso wichtig: die Wiederherstellung regelmäßig testen. Ein Backup, das nie getestet wurde, ist nur eine Hoffnung.
4. Das Team gegen Phishing schulen
Die beste Technik hilft nicht, wenn eine täuschend echte 'Mandanten-E-Mail' zum Klick verleitet. Kurze, regelmäßige Schulungen mit echten Beispielen senken die Klickrate drastisch. Wichtig ist eine Kultur, in der Verdachtsfälle sofort und ohne Schuldzuweisung gemeldet werden.
5. Verschlüsselung und Zugriffsrechte prüfen
Notebooks und Smartphones gehören vollverschlüsselt (BitLocker ist bei Windows Pro dabei), Mandantenkommunikation per E-Mail mindestens transportverschlüsselt. Und intern gilt das Need-to-know-Prinzip: Nicht jede Person in der Kanzlei braucht Zugriff auf jede Akte. Saubere Berechtigungen begrenzen den Schaden, falls doch einmal ein Konto kompromittiert wird.
Diese fünf Maßnahmen sind in den meisten Kanzleien innerhalb weniger Tage umsetzbar und decken die häufigsten Angriffswege ab. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Kanzlei steht: Ich führe eine kompakte Bestandsaufnahme durch und priorisiere die Maßnahmen nach Risiko und Aufwand.